Weihnachtsmarkt Rostock: Norddeutschlands größter Markt
HRO Überblick
- Größter Weihnachtsmarkt Norddeutschlands mit über 3 Kilometern Ausdehnung durch die Altstadt
- Jährlich rund 1,5 Millionen Besucher zwischen Neuem Markt, Kröpeliner Straße und Stadthafen
- Besonderheit: Historischer Weihnachtsmarkt im Klostergarten mit mittelalterlichem Handwerk und Brauchtum
Aktuelle Hinweise zum Weihnachtsmarkt
Die Saison 2025 zeigt eine deutlich gestiegene Besucherzahl gegenüber dem Vorjahr. Erste Hochrechnungen auf Basis von Passantenfrequenzmessungen belegen einen spürbaren Anstieg: An den Adventssonntagen passierten im westlichen Abschnitt der Kröpeliner Straße durchschnittlich 34.414 Personen die Zählpunkte – im Vergleich zu 6.369 Personen an gewöhnlichen Novembersonntagen ohne Weihnachtsmarkt. Dies entspricht einer Steigerung von rund 440 Prozent.
Bis zum 17. Dezember wurden nach vorläufigen Schätzungen bereits 20.000 Besucher mehr gezählt als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Messungen erfolgen per Lasertechnik durch das Unternehmen hystreet.com und erfassen Personen ab einer Körpergröße von 90 Zentimetern. Die Stadt Rostock nutzt diese Daten zur Bewertung von Großveranstaltungen und zur Entwicklung zukunftsfähiger Nutzungskonzepte für die Innenstadt.
Der Vorsitzende des Schaustellerverbandes, Peer Hamberger, bestätigt die positive Entwicklung: Die Stimmung auf dem Markt sei in diesem Jahr überwiegend positiv, die Schausteller zeigten sich prinzipiell sehr zufrieden. Befürchtungen hinsichtlich Besuchereinbrüchen aufgrund der durch Bauarbeiten bedingten geringeren Ausstellerfläche haben sich nicht bewahrheitet. Die Preise blieben im Vergleich zum Vorjahr weitgehend stabil, lediglich die Pfandtassen für Glühwein wurden teurer.
Was macht den Rostocker Weihnachtsmarkt so besonders?
Der Rostocker Weihnachtsmarkt verwandelt alljährlich die Innenstadt der Hansestadt Rostock in eine der größten vorweihnachtlichen Veranstaltungen an der deutschen Ostseeküste.
Die Kombination aus historischer Bausubstanz, überregionaler Anziehungskraft und einem charakteristischen Mix aus norddeutschen und skandinavischen Einflüssen prägt das Profil dieser Veranstaltung, die weit über die Region hinaus Beachtung findet. Anders als viele kompakte Stadtplatz-Märkte erstreckt sich das Rostocker Format über mehrere Bereiche der Altstadt und verbindet unterschiedliche atmosphärische Schwerpunkte miteinander.
Historische Entwicklung
Die Wurzeln des Rostocker Weihnachtsmarkts reichen zurück ins späte Mittelalter. Damals fanden in der Innenstadt Verkaufsmessen zur Vorweihnachtszeit statt, die der Bevölkerung ermöglichten, sich mit Notwendigem für die kalte Jahreszeit einzudecken. Bauern boten Geflügel und Schlachtvieh an, Gärtner verkauften Wintergemüse, Handwerker wie Korbflechter, Spielzeugmacher und Zuckerbäcker ergänzten das Angebot. Bereits damals wurden süße Leckereien wie gebrannte Mandeln, geröstete Nüsse und Kastanien verkauft, um Kindern ein schönes Weihnachtsfest zu ermöglichen. Der gegenseitige Nutzen für Händler und Stadtbewohner sorgte dafür, dass dieser Brauch Jahr für Jahr fortgeführt wurde.
Die moderne Geschichte des Weihnachtsmarkts beginnt im Jahr 1949, als die Veranstaltung erstmals explizit als „Rostocker Weihnachtsmarkt" bezeichnet und entsprechend beworben wurde. Auf dem Doberaner Platz wurden Bäume aus der Rostocker Heide angeboten, im Barocksaal zog eine Ausstellung über erzgebirgische Schnitzkunst zahlreiche Besucher an. Ab 1953 entwickelte sich der Markt zu einem Volksfest mit Karussells und anderen Vergnügungsmöglichkeiten. Eine Luftschaukel lud zur rasanten Fahrt ein, Schausteller aus Rostock und der Umgebung waren vertreten.
Die erste Begegnung mit dem Weihnachtsmann und seinem Gefolge erlebten die Rostocker 1955 in der Innenstadt. In den Folgejahren wechselte der Markt mehrfach seinen Standort: 1956 fand er auf dem Ulmenmarkt statt, ab 1958 mehrere Jahre auf dem Glatten Aal. Erst später etablierte sich die heutige Struktur, die sich durch mehrere Bereiche der Altstadt zieht.
Räumliche Struktur und zentrale Bereiche
Der Weihnachtsmarkt erstreckt sich über eine Gesamtlänge von etwa 3,2 Kilometern durch die Rostocker Innenstadt. Das Zentrum bildet der Neue Markt, der zentrale Marktplatz der Stadt, umgeben von historischen Giebelhäusern der Gotik, des Barock und der Renaissance. Von hier aus setzt sich der Markt entlang der Kröpeliner Straße fort, der Haupt-Einkaufs- und Bummelmeile Rostocks, die vom Neuen Markt bis zum Kröpeliner Tor führt.
Jenseits des Kröpeliner Tors erstrecken sich weitere Verkaufsstände. In der Langen Straße zwischen Breiter Straße und der Straßenbahn-Haltestelle „Kröpeliner Tor" reihen sich zusätzliche Stände auf. Am Parkplatz Fischerbastion in der nördlichen Altstadt befindet sich der Weihnachtsrummel mit Fahrgeschäften. Der Universitätsplatz erhält seit mehreren Jahren einen „Lichterbaldachin", der für besondere Atmosphäre sorgt.
Ein eigener Bereich ist der Historische Weihnachtsmarkt hinter dem Kloster zum Heiligen Kreuz im Klostergarten. Hier präsentieren über 30 Handwerker und Händler historische Handwerkskunst. Feuer lodern, Schmiedehämmer und Amboss klingen, glühende Eisen werden bearbeitet. Besucher können alte Traditionen nicht nur beobachten, sondern teilweise selbst ausprobieren – etwa beim Bogenschießen, Drachentöten oder Axtwerfen. Figuren wie Fürst Borwin und sein Gefolge, Königin Margarete von Dänemark oder Pater Wulfen beleben das mittelalterliche Ambiente. Der Kontrast zum großen Weihnachtsmarkt liegt in der familiäreren Atmosphäre und der stärkeren Fokussierung auf historisches Handwerk und überlieferte Bräuche.
Besonderheiten und charakteristische Merkmale
Die Größe des Rostocker Weihnachtsmarkts unterscheidet ihn deutlich von anderen norddeutschen Märkten. Rund 300 Schausteller und Markthändler aus mehreren Bundesländern sowie aus Schweden, Finnland und dem Baltikum beteiligen sich an der Veranstaltung. Diese internationale Beteiligung bringt einen skandinavischen Touch in das Angebot: Schwedischer oder finnischer Glühwein („Glögg"), Rentierschinken und skandinavische Pfeffernüsse ergänzen die typisch norddeutschen Spezialitäten wie Rostocker Rauchwurst und Warnemünder Räucherfisch.
Optisch prägende Elemente sind das 34 Meter hohe Riesenrad am Neuen Markt, das einen Überblick über den gesamten Markt ermöglicht, sowie turmhohe Weihnachtsbäume und eine große Weihnachtspyramide. Der Märchenwald auf dem Kröpeliner-Tor-Vorplatz mit Figuren wie Frau Holle, Hase und Igel oder Rumpelstilzchen richtet sich speziell an jüngere Besucher.
Die Märchenschlossbühne am Neuen Markt bietet an Wochenenden Märchenaufführungen, die eigens für den Rostocker Weihnachtsmarkt geschrieben werden. Unter der Woche findet dort die Weihnachtsmann-Sprechstunde statt. Eine weitere Bühne in der Nähe des Rathauses präsentiert rund 60 Veranstaltungen, an Freitag- und Samstagabenden laden „Glühwein-Partys" mit Livemusik ein. Das Programm reicht von Jazz, Swing und Blues bis zu Irish-Folk.
Die Kunsthandwerkerecke zeigt Werke von Handwerkern aus der Region und ganz Deutschland. Hier liegt der Schwerpunkt auf individuellen Geschenkideen und Dekorationselementen, die sich von der Massenware abheben. Der Markt verfügt über eine durchgehend barrierefreie Fußgängerzone zwischen Kröpeliner Tor und Neuem Markt, die auch Rollstuhlfahrern den Zugang ermöglicht.
Bedeutung und Einordnung im norddeutschen Kontext
Mit jährlich etwa 1,5 Millionen Besuchern gehört der Rostocker Weihnachtsmarkt zu den besucherstärksten Weihnachtsmärkten im Norden Deutschlands. Die Bezeichnung als „größter Weihnachtsmarkt Norddeutschlands" bezieht sich auf die räumliche Ausdehnung und die Anzahl der Stände. Hotels und Pensionen im Innenstadtbereich sind während der Veranstaltung oft ausgebucht. Der Markt zieht sowohl Tagesgäste als auch mehrtägige Besucher an, die den Weihnachtsmarktbesuch mit einem Aufenthalt in der Hansestadt verbinden.
Im Vergleich zu anderen bedeutenden Weihnachtsmärkten der Region zeigt sich eine klare Positionierung: Der Lübecker Weihnachtsmarkt, bereits 1648 erstmals urkundlich erwähnt, gilt als „Weihnachtsstadt des Nordens" und punktet mit elf verschiedenen Weihnachtswelten, darunter der maritime Weihnachtsmarkt am Koberg und der historische Markt rund um das Rathaus. Die Stadt setzt auf die Verbindung von Hansetradition und weihnachtlichem Kunsthandwerk, ergänzt durch Lübecker Marzipan als kulinarisches Aushängeschild.
Der Hamburger Rathausmarkt, vom Circus Roncalli betrieben, verzeichnet bis zu drei Millionen Besucher und setzt auf das Motto „Kunst statt Kommerz". Das Highlight ist der fliegende Weihnachtsmann, der mehrfach täglich über die Köpfe der Besucher schwebt. Hamburg bietet zudem zahlreiche Themenmärkte über die gesamte Stadt verteilt – vom maritimen Santa Pauli auf der Reeperbahn bis zum „Weißen Zauber" an der Binnenalster.
Der Schweriner Weihnachtsmarkt vor der Kulisse des Schweriner Schlosses am Pfaffenteich setzt auf Schlossromantik und regionales Flair aus Mecklenburg-Vorpommern. Er ist kleiner und familiärer als die Märkte in Rostock oder Hamburg, betont aber die besondere Atmosphäre durch die Schlosslage und die Spiegelung der festlichen Beleuchtung im Wasser.
Rostock positioniert sich in diesem Umfeld durch die Kombination aus Größe, skandinavischem Einfluss und dem eigenständigen historischen Marktteil. Die räumliche Ausdehnung über mehrere Kilometer durch die Altstadt unterscheidet den Rostocker Markt von kompakteren Formaten. Die enge Verbindung zur Ostsee und die Präsenz skandinavischer Anbieter verleihen dem Markt eine maritime Note, die sich von binnenländischen Weihnachtsmärkten abhebt.
Kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung
Der Weihnachtsmarkt ist für Rostock ein bedeutender wirtschaftlicher Faktor in der stillen Jahreszeit. Einzelhandel, Gastronomie und Hotellerie profitieren von der erhöhten Besucherzahl. Die Veranstaltung stärkt die überregionale Wahrnehmung Rostocks als Reiseziel und unterstreicht die Rolle der Stadt als kulturelles Zentrum Mecklenburg-Vorpommerns.
Organisiert wird der Markt von der Großmarkt Rostock GmbH, die für die Koordination der Standvergabe, die logistische Planung und die Rahmenprogramme verantwortlich ist. Die Veranstaltung erfordert umfangreiche Vorbereitungen, vom Aufbau der Infrastruktur über die Beleuchtungskonzepte bis zur Sicherheitsplanung.
Der Weihnachtsmarkt trägt zur Identität der Stadt bei und wird von vielen Rostockern als fester Bestandteil der Vorweihnachtszeit wahrgenommen. Für Besucher aus dem Umland und aus anderen Regionen bietet er einen Anlass, die historische Hansestadt kennenzulernen. Die Verbindung von historischer Bausubstanz, hanseatischer Tradition und vorweihnachtlicher Atmosphäre erzeugt eine Kulisse, die über das reine Markterlebnis hinausgeht.
Weihnachtsmärkte in der weiteren Region
Neben Rostock bieten weitere Städte in Mecklenburg-Vorpommern und entlang der Ostseeküste eigene Weihnachtsmärkte. Stralsund als weitere Hansestadt mit Unesco-Welterbe-Status richtet einen Weihnachtsmarkt rund um den Alten Markt aus, der von der Kulisse gotischer Backsteinarchitektur geprägt ist. Wismar, ebenfalls Unesco-Welterbe, lockt mit einem Weihnachtsmarkt auf dem Marktplatz und einem Riesenrad, das Ausblicke über die Altstadt bietet.
Schwerin verbindet den Weihnachtsmarkt am Alten Garten und Marktplatz mit der Nähe zum Schweriner Schloss und zum Pfaffenteich. Die kleineren Städte an der Küste setzen auf familiäre Atmosphäre und regionale Besonderheiten. Greifswald und Güstrow bieten kompakte Weihnachtsmärkte mit lokalem Charakter.
Diese Märkte ergänzen das Angebot in der Region, konkurrieren aber weniger direkt mit Rostock, da sie unterschiedliche Größenordnungen und Zielgruppen bedienen. Rostocks Rolle als größter Markt der Region ist vor allem der räumlichen Ausdehnung, der Anzahl der Aussteller und der überregionalen Anziehungskraft geschuldet.
Der Weihnachtsmarkt in Rostock ist mehr als eine saisonale Veranstaltung! Er prägt die Vorweihnachtszeit in der Hansestadt und zieht Menschen aus Nah und Fern an.
Welche Besonderheiten des Rostocker Weihnachtsmarkts schätzt du am meisten, oder welche Ergänzungen würdest du dir für künftige Ausgaben wünschen? Teile deine Gedanken bei uns im HRO Club.